Nachruf auf  den Bruno,
den UNBEKANNTEN SOLDATEN   DES KINOS

... ich schrieb über ihn eine Zeitungsgeschichte für das SPANDAUER VOLKSBLATT oder /und DIE WELT (ich weiß es nicht mehr und habe den Artikel auch nie wiedergefunden ), ohne zu ahnen , dass diese kleine Öffentlichkeitsarbeit ihn auf den Weg zum cineastischen Weltruhm leiten würde, ihn zum UNBEKANNTEN SOLDATEN DES KINOS werden ließ, wie sein Mentor Werner Herzog ihn einmal nannte.

Mit nichts konnte ich- selbst auf dem Weg zu Theater- und Film-Karriere- ahnen, dass meine Hinterhof-Entdeckung ihm das schmerzliche Schicksal des STARS zumuten sollte, kometenhaft aus den Berliner Schattenwelt in die Glitzerwelt des Filmfestivals von CANNES mit Werner Herzogs Film "Jeder für sich und Gott gegen alle" aufzusteigen und nach dem Film "Stroszek" - ihm nachgerade auf die Seele und den Leib und die Zunge geschrieben von Werner Herzog - wieder abzustürzen ins Dunkle seiner Herkunft, oder wie er selbst gedichtet hat:
VOM PARADIES DER FALSCHEN HOFFNUNGEN, DER LEEREN VERSPRECHUNGEN IN DIE HÖLLE VOM HABGIERIGEN SCHEINE
Aber es geschah eben , warum der Bruno mich zu meiner Überraschung ,als wir und vor 10 Jahren durch Theuerkaufs Initiative wiedertrafen , seinen "Entdecker" nannte.
Auf wundersamen Umwegen gereichte mein Artikel Hans Dieter Zimmermann in der Akademie der Künste dazu, den Bruno zu einem Moritaten-Festival auf die Berliner Akademie-Bühne zu holen. Dort sah ihn der DffB Student Lutz Eisholz, der auf der Suche nach einem Abschlussfilmstoff schließlich 1971 in S/W den ersten Film mit Bruno drehte: Bruno ,der schwarze Peter, verschollen leider , aber hoffentlich bald wieder auffindbar, wenn die deutsche Kinemathek sich dahinter klemmt.
Dieser Film war es, den Werner Herzog zufällig sah - wenn es so was überhaupt gibt !– auf der Suche nach einem Hauptdarsteller für sein Kaspar-Hauser- Filmprojekt, für den Bruno die Rolle seines Lebens, nur noch übertroffen von Stroszek ,dem Film seines Lebens.
Der Bruno blieb ein Fremder in der Welt , die ihm nun huldigte, Francis Coppola und später Darius James, der ihn in eine Reihe mit Peter Lorre und Emil Jannings stellte, nach dem Absturz als Komet aus dem Himmel der Sterne beklagte er - wie viele Helden der Filme der 70 Jahre, etwa aus den sogenannten Arbeiterfilmen, denen es ebenso erging :
" VVV- Vergangen , vergessen, vorüber !"
Aber da hat er sich geirrt: dass seine vielen Freunde, die dieser "einsame" Mann zu meinem Erstaunen in Wirklichkeit hatte , nun alle hier bei der feierlichen Urnenbeisetzung stehen, nachher im freien Museum seiner gedenken und sich Gedanken machen , wie und wo man sein "Werk" bewahren könnte , zeigt:
Der Bruno hat auf die Frage , wie er sich den Tod vorstellt ganz richtig geantwortet:
 "wenn sie Glück haben, können sie zusehen ,wie sie sterben. es ist wie ein schlaf und wenn sie aufwachen, fängt es wieder von vorne an !"

Prof. Martin Wiebel
15.Oktober 2010

Impressum